Industrie 4.0 hautnah: Roboter statt Zeitarbeiter

Humanoide Roboter arbeiten effizienter als Menschen und ersetzen Zeitarbeiter. Ist dieses Szenario noch Zukunftsmusik oder ist es bereits Realität? Der „Schichtwechsel“ in einigen industriellen Arbeitsbereichen hat begonnen.

Robotik ist auf dem Vormarsch. Roboter können mittlerweile menschliche Arbeitskräfte ersetzen. Durchgesetzt hat diese revolutionäre Entwicklung die weltweit erste Zeitarbeitsvermittlung für menschenähnliche Roboter, das Berliner Unternehmen Robozän™. Der Name lässt nicht weniger als ein neues Dienstleistungs-Zeitalter erwarten.

Unter der Rubrik Mitarbeiter finden wir auf der Firmen-Website die für uns noch etwas befremdliche Beschreibung: „0% Menschen – 100% Roboter“. Die konkrete Dienstleistung wird wie folgt beschrieben: Robozän™ stellt humanoide Roboter durchgehend oder zeitweise als Personal bereit. „Unsere humanoiden Roboter arbeiten hart, ausdauernd und ohne Pause – 24/7.“

Das klingt vielversprechend. Aber wie wird dieses Arbeitsmodell umgesetzt? Im Interview mit der Haufe Online Redaktion erklärt der Robozän™-Geschäftsführer, Matthias Krinke, das grundlegende Prinzip: „Eigentümer von Robotern können die Roboter der Personalvermittlung zur Verfügung stellen und erhalten dann die von den Kunden bezahlten Gehälter abzüglich einer Vermittlungs- und Verwaltungsgebühr.“ Die Roboter werden zum Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde angeheuert und erhalten eine monatliche Lohnabrechnung. Die Einsatzorte sind in der Regel Fabriken der Automobil- oder Kunststoff-Industrie, in denen der jeweilige Roboter für etwa zwei Tage „eingearbeitet“ wird und beispielsweise simple Produktionsarbeiten am Fließband übernimmt. Weitere mögliche Einsatzbereiche dieser neuen Roboter-Generation: Sicherheitspersonal oder Concierge. Die Kreuzfahrtgesellschaft Aida Cruises hat bereits seit 2015 einen Service-Roboter namens „Pepper“ im Dienst, der die Gäste bewirtet. Dieses innovative Industrie 4.0-Konzept zur Flexibilisierung der Arbeitswelt wirft nicht nur bei Arbeitgebern und Kollegen dieser Roboter etliche Fragen auf. Auch Versicherungsunternehmen, Personaler und Arbeitsrechtler werden mit völlig neuen, ungeahnten Fragestellungen im Zuge dieses Wandels konfrontiert: Liegt aus juristischer Sicht ein Arbeits- oder ein Mietvertrag vor? Wird der Robotereinsatz aus dem Personalbudget bezahlt? Erhält ein weiblicher Roboter weniger Entgelt als ein männlicher Roboter? Was passiert, wenn der Roboter ausfällt, also krank wird? Robozän™ selbst scheint laut eigener Website zumindest sicher: „Ein Menschheitstraum wird wahr. Let robots work for us!“

Auf seinem Xing-Profil sucht Matthias Krinke derzeit „humanes und humanoides Personal“. Am 12.12.2016 wurde sein Technologie-Unternehmen, die pi4_robotics GmbH, mit dem Innovationspreis Berlin-Brandenburg für die fortschrittliche Robotik-Technologie „Workerbot4™“ ausgezeichnet.

Passend zum Thema Industrie 4.0 geht es hier zu der Dokumentation von ARD und ZDF „Schichtwechsel“ vom 17.10.2016.

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