Waffenschein für Drohnen

Vorwärts

Seit dem vermehrten Aufkommen von Drohnen-Abstürzen mit teilweise erheblichen Sach- und Personenschäden kommt spätestens jetzt die brisante Frage auf, warum nicht schon seit Einführung dieser Flugobjekte für jeden Drohnen-Piloten ein Führer- oder sogar Waffenschein vorgeschrieben ist.

Die Drohnen-Nutzung durch jedermann ist eine neuartige Herausforderung für Politik und Gesellschaft. Der ADAC spricht durch die Gefahr aus dem Himmel von einer „neuen Qualität der Verkehrsgefährdung“. Besonders der Drohnen-Einsatz in Flughafennähe, über Autobahnen, Menschenmengen, militärischen Einrichtungen oder Krankenhäusern stellt ein erhebliches Gefahrenpotenzial dar. Obwohl es in diesen Lufträumen verboten ist, Drohnen fliegen zu lassen, passieren häufig Unfälle: Tiefflieger, die frontal gegen Auto-Windschutzscheiben prallen oder die Drohne, die den Sänger Enrique Iglesias auf der Konzertbühne mit ihrem scharfkantigen Propeller an den Fingern verletzte. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) warnt die Drohnen-Piloten: Wer sich nicht an die gesetzlichen Bestimmungen halte, könne wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Teilweise unklar ist auch noch, wer überhaupt für die Kontrolle zur Einhaltung dieser Bestimmungen zuständig ist: die Polizei oder die Luftaufsichtsbehörde? Wer darf eine Drohne steuern? Und wer bezahlt im Schadenfall? Die Versicherungen sind durch die aktuellen Entwicklungen alarmiert. Die Begriffe Werte und Wandel erreichen neue Dimensionen im Zeitalter der Digitalisierung.

Mittlerweile gibt es auch bei uns in Deutschland Drohnen-Mietdienste für den Endverbraucher. Theoretisch kann jeder Bürger jeden anderen beliebig ausspähen. Das Thema Datensicherheit scheint durch die Drohnen-Euphorie kurzfristig in den Hintergrund getreten zu sein. Das Angebot reicht vom simplen Spielzeug für Kinder über Profigeräte mit eingebauter Kamera für spektakuläre Film- und Foto-Aufnahmen bis hin zur hochprofessionellen Kampf-Drohne im Militärbereich.

Drohnen werden scheinbar salonfähig. Sie dienen beispielsweise als Blutkonservenlieferanten für Unfallopfer und können in schwer erreichbaren Erdbebenregionen die letzte Rettung sein, indem sie Opfer lokalisieren, wenn es um Sekunden geht. Nicht nur die Chancen, sondern auch die Möglichkeiten krimineller Nutzung steigen laut Kritikern wie zahlreichen Datenschutzbeauftragten ins Unermessliche. Ein Graus auch für den ehemaligen Sicherheitsbeauftragten des Deutschen Fußballbundes, Helmut Spahn. Er fordert schnellstens die Einführung einer Lizenz für Drohnen, die dem Waffenschein ähneln soll.

Vorwärts

Mehr Beiträge